Die Schweiz, das Schweizer Fernsehen und Syrien

Auch das Schweizer Fernsehen zitiert gerne das ominöse Syrian Observatory of Human Rights in London (SOHR), wenn es um die neusten Berichte aus Syrien geht. Um welche Organisation es sich dabei handelt, haben wir bisher nicht erfahren. Nun, es handelt sich um eine Onemanshow, unterstützt und gesponsert von der britischen Regierung und den Diktatoren der Golfstaaten Katar, Saudi-Arabien und Bahrein. Der Mann heisst Rami Abdel Rahmane, er ist sunnitischer Syrier und lebt in Birmingham. Er wurde unter anderem von Hague, dem britischen Minister des Äusseren empfangen, der nicht eben für unabhängige Berichterstattung bekannt ist.

Das Schweizer Fernsehen zitiert also wiederholt einen Geschäftsmann, der in England lebt, als offizielle und logischerweise vertrauenwürdige Quelle. Doch das ist das Geringste, was sich das Schweizer Fernsehen, finanziert aus obligatorischen Mitgliederbeiträgen, tut, um die Linientreue mit Washington, Paris, London und Tel Aviv unter Beweis zu stellen. Über das Verhalten der Schweizer Aussenpolitik im Syrienkrieg (ja es ist ein Krieg gegen Syrien unter Ägide der NATO-Länder) wird am Fernsehen offenbar auch nicht berichtet. Es braucht dafür das kleine Blatt Le Courrier aus Genf, um zum Beispiel darauf hinzuweisen, dass die Schweiz sowohl finanziel (50’000 Franken) als auch logistisch Treffen in Berlin unterstützt hat, wo Exilsyrier gemeinsam mit Experten eine neue Verfassung für die Zeit nach Bachar Al-Assad erarbeiteten. Interessant in diesem Zusammenhang ist zu sehen, wer diese Arbeitsgruppe zusammengetrommelt hat: Das American Institute of Peace. Das Beste daran: Das American Institute of Peace gehört organisatorisch zum Pentagon. Das Kriegsministerium organisiert also den Frieden! Prost allerseits! Der Präsident dieses Insitutes ist ein gewisser Steven Heydemann, ehemaliger Mitarbeiter des CIA und Staatsbürger der USA und Israels. Ob die Syrier vor kurzem über eine neue Verfassung abgestimmt haben oder nicht, scheint dabei völlig irrelevant zu sein. Es war ja auch egal, ob eine Mehrheit der Palästinenser Hamas gewählt hat. Hamas wählt man einfach nicht, Demokratie hin oder her.

Die Antwort der Tagesschau-Redaktion auf meine Anfrage betreffend ausgewogene Berichterstattung ist symptomatisch für die Kommunikationsform offizieller Stellen in der Schweiz – aalglatt, vollkommen unverbindlich und relativierend.

„Wir versuchen, so viele glaubwürdige Informationen wie möglich zum Syrien-Konflikt zu verwerten. Bei den Beispielen die Sie uns geschickt haben, hat es interessante Quellen darunter – allerdings muss nicht alles was sich „unabhängig“ nennt auch wirklich der Wahrheit näher sein. Vieles aus diesen Kreisen ist einfach auch Anti-Amerikanisch und damit ebenfalls Propaganda.“

Nun im Falle, dass die Tagesschau ebenso häufig eine Quelle wie Voltairenet.org, InfoSyrie oder tarpley.net zitieren würde, wie das SOHR in London,  könnte ich mit dieser Antwort etwas anfangen. Vielleicht gibt der Redaktor mit seiner Antwort durch die Blume sogar zu, dass die Mittleilungen des SOHR Propaganda sind? Dies würde wiederum dem Grundsatz widersprechen, „möglichst glaubwürdige Informationen“ zu verwerten. Auf alle Fälle, abgesehen von einigen löblichen Ausnahmen, wie das Interview mit der deutschen Journalistin Karin Leukefeld, bläst das Schweizer Fernsehen in das gleiche Horn, wie alle anderen, westlichen, privaten und staatlichen Massenmedien. Willkommen in der UdSSR!

Christoph Hörstel sagt, Deutschland seine eine Kolonie der Vereinigten Staaten. Ich sage: die Schweiz ist ein Protektorat der Vereinigten Staaten. Wenn man die Angriffe auf das Schweizer Bankenwesen der jüngsten Zeit betrachtet, muss man jedoch die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass dieses Protektorat dem Ende entgegen geht und auch die Schweiz definitiv zu einer Kolonie umfunktioniert wird.

Schreibe einen Kommentar